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Language is such a technology.

Georg Kreisler / Der Klezmer / im Orpheum Dresden

Posted on | März 1, 2009 | No Comments

Naftele lebt in einem kleinem jüdischen Schtetl in Galizien. Einem Schtetl, das immer wieder von antisemitischen Schlägerbanden überfallen und geplündert wird. Es ist Anfang des letzten Jahrhunderts. Er, macht Musik, Klezmer und das unwahrscheinlich gut. Doch, Geld kann er damit keines verdienen, denn Noten, die beherrscht er nicht. So entscheidet er sich nach Amerika zu gehen, dort sein Glück zu suchen und seine Verlobte nachkommen zu lassen. Rabbi und Familie sind davon alles andere als begeistert, doch zunächst, scheint’s, hat er mit Amerika wohl die richtige Wahl getroffen. Von einem überzeichneten Musikmanager wird er engagiert, verdient Geld und leistet sich die Vergnügen, die so ein Leben eben bietet.

Wenn nicht eines Tage seine Verlobte bei ihm vor der Tür stehen würde. Er ist nicht da. Dafür redet ihr seine neue Geliebte aus, dass er noch irgendetwas von ihr wissen wolle. Betrübt fährt sie wieder gen Russland. Als sie, die Neue, Naftele von der Begebenheit erzählt und er auch noch gefeuert wird, macht er sich ebenso auf den Weg zurück nach Hause.

Doch das gibt es nicht mehr.

Georg Kreisler, in Wien geboren ist vor allem durch seine Lieder bekannt geworden. Chansons, makaber, düster oder einfach nur grandios schwarz. Auch Bücher und Bühnenstücke zeichnen sein Repertoire, von denen viele einmal aufgeführt wurden, aber viele auch nie. So war es für den Klezmer in Dresden eben auch die Premiere. Nach 11 Jahren.

Als Naftele dort steht steht, wo ehedem mal sein Dorf war, findet er dort nur noch Asche. Niedergebrannt von einer Bande Kosaken, die Bewohner: alle tot.

Georg Kreisler gibt heute keine Auftritte mehr. Mit einer Lesereise, bei der er seine Biographie vorstellte, saß er zum Beispiel vor wenigen Jahren auf der Bühne der Leipziger Funzel, einer kleinen Kabarettstätte. Gesungen hat er nicht mehr, doch vorgelesen. Der Saal war voll und dazu trugen sogar viele junge Gesichter dabei.

Georg Kreisler ist nicht populär, beim Klezmer fragt mich mein Sitznachbar, ob ich wegen Kreisler oder Klezmer hier sei. Kreisler. Von dem man meistens eben die Lieder kennt. Aber diese verdienen es natürlich auch. Neben den bekannteren Sachen wie eben Tauben vergiften, Das Mädchen mit den drei blauen Augen oder Meine Freiheit, deine Freiheit zeichnen auch leise, traurige aber zutiefst erschütternde Stücke ihn aus. So zum Beispiel „Weg zur Arbeit“:

„Da kommt die Schule, da bin ich selber hingegangen,

Mein Deutschprofessor verdient noch immer dort Gehalt.

Der schrie: ,,Heil …”, na ja, das wird er heute nicht mehr schreien.

Was nur die Kinder bei dem lernen? Vielleicht vergessen sie es bald.

Ich kann es nicht vergessen.“

Als Naftele einen Unbekannten fragt, was mit seinem Dorf passiert ist und dieser antwortet, dass alle gestorben sind. Die Juden, aber um die es ja nicht schad‘ sei, obwohl sie gute Musik machen würden. Aber das ja nun auch nicht mehr – erwidert Naftele: Nein, die Musik stirbt nie.

Georg Kreisler wird im Juli diesen Jahres 87. Und wenn dieser Text eines ist, dann der unbedingte Aufruf Georg Kreisler aus den Bibliotheken und Buchläden zu holen und ihn (wieder)(zu)entdecken. Einen großartigen Wortartisten, Pianisten, Linken und Gesellschaftskritischen, vielleicht Tucholsky gar nicht unähnlichen, aber eben doch ganz anders. Und Briefe an die lokalen Schauspielhäuser, zur Aufführung Stücken Kreislers bittend zu schicken, selbstverständlich auch.

Am 2.3. hätte man das nächste Mal den Klezmer im Dresdner Orpheum sehen können, wenn nicht die Bauaufsicht alle weitere Aufführungen untersagt hätte. Ob und wie es weiter geht erfährt man unter www.rocktheaterdresden.de

Wikipedia und die Informationsfreiheit

Posted on | Dezember 1, 2008 | No Comments

Als Barbara Streisand nunmehr vor fast 6 Jahren (2003) im Internet einer Fotoaufnahme ihres Hauses fündig wurde, verklagte sie die Fotografen auf 50 Millionen US-$. Das Foto sollte unverzüglich von der Bilddatenbank entfernt werden. Nun, bis dahin hatte sich quasi niemand für eine Photographie des Küstenhauses von Barbara Streisand interessiert, das änderte sich mit dem Gerichtsverfahren aber schlagartig. Aufgescheucht und nun popularisiert, wurde das Foto zum begehrten „Surfobjekt“ im Internet. Schliesslich ist etwas, was einmal ins „Netz“ gestellt wurde, dort für immer zu finden. Selbst wenn es gelingen sollte, die Ausgangsdatei zu löschen.

Diese Anekdote avancierte später zum Barbara-Streisand-Effekt.

Heute, Ende 2008, zeigt sich dieser Effekt einmal mehr, betreffen tut es DIE LINKE. Lutz Heilmann (MdB) liess am 13. November den Zugriff auf die Internetseite wikipedia.de per einstweiliger Verfügung sperren. Begründung: In seinem Wikipediaeintrag fänden sich falsche und verleumdende Sätze. Da die gesamten Inhalte der freien Enzyklopädie aber in Amerika, unter http://www.wikipedia.org liegen, war wikipedia.de nur eine Weiterleitung unter vielen. Die Sperrung brachte gar nichts. Ausser, ja ausser ein reges Interesse am betreffenden Eintrag und einen wahren Aufruhr in der digitalen Welt.

In unzähligen Blogs, Webseiten und Onlinezeitungen wurde über den Fall berichtet. Und das nicht positiv. Im Gegenteil. Zensur und Stasi 2.0 wurde geschrieben, DIE LINKE. von der (zumeist jungen) „Netzgeneration“ als unwählbar eingestuft.

Ein Schaden, der nicht so schnell vergessen wird, schliesslich vergisst das Netz wie gesagt selbst nichts. Wir müssen weiter dafür streiten, dass repressive Mittel und Verbote kein Stil sozialistischer Politik sein können. Dafür streiten und aufklären, dass das heutige Internet ein chaotischer Marktplatz ist und das im besten Sinne. Dass Wikipedia und andere soziale Netzwerke sich selbst regulieren und keine Eingriffe von oben brauchen.

Medienkompetenz braucht keine Kontrolle, sondern einen kritischen Umgang mit Informationen!

Ich habe etwas zu verbergen!

Posted on | Oktober 1, 2008 | No Comments

Was in den letzten Wochen mehr als ein Rauschen im Blätterwald war: das Thema Datenschutz. Von verkauften Kundenprofilen, geklauten Kontodaten und dubiosen Firmen, die stark in der Grauzone des Einwandfreien mit gekauften Daten operieren, war da die Rede. Spektakulärer Höhepunkt danach: Schäuble lud zum Datenschutzgipfel und einige „Spitzenpolitiker” folgten. Der Konsument (denn um diesen ging es vorrangig) darf sich nun wieder in Sicherheit wiegen, so steht es zumindest auf dem Papier. Klar ist natürlich, die nächste Payback Aktion, mit der neue Kunden angeworben werden sollen, wird aber nicht lange auf sich warten lassen.

Am 11. Oktober nun, rufen verschiedene Gruppen und Initativen, maßgeblich der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zur Demonstration „Freiheit statt Angst” nach Berlin auf. Der AK Vorrat gründete sich sozusagen durch die Vorratsdatenspeicherung. Damals war diese gerade Beschlusslage im europäischen Parlament und es zeichnete sich ab, dass Deutschland sie nicht gerade zögernd umsetzen wird.

Datenschutz ist, so scheint‘s, auch heute noch kein Thema, welches wirklich relevant ist. Normalerweise bleibt es bei Randspalten in den Zeitungen, wenngleich die letzten Wochen natürlich eine Fülle an Nachrichten mit sich brachten. Aber in England zum Beispiel gehören Skandale über verlorene „Koffer” mit sensiblen Daten ja schon zum Alltag. Dabei geht es beileibe nicht nur darum, keine Werbung mehr im Briefkasten von ominösen Briefkastenfirmen zu erhalten. Adressen, Daten, Informationen, werden heute mit z.B. Fotos der entsprechenden Wohnhäuser verknüpft. Daraus können Scoringwerte zur Einschätzung der Finanzkräftigkeit einzelner Menschen geschlossen werden. Und Datensätze, speziell nach Wunsch gefiltert und aufbereitet, verkaufen sich blendend. Die Firmen dahinter agieren weitgehend im Dunkeln.

Wenn Schäuble & Co. nun also zum Datenschutzgipfel aufrufen, zeigt sich letzten Endes die Doppelzüngigkeit des Unterfangens. Wäre die Devise wirklich: „Der Beste Datenschutz ist Datenvermeidung.” hätte besagter Gipfel Punkte wie die Vorratsdatenspeicherung abschaffen müssen. Dies passierte freilich nicht.

Aber auch Videoüberwachung, die gefühlte Bedrohung in Großstädten, die statistisch zwar keinen Sinn ergibt, aber schwer auszureden ist, gehören zu diesem gewaltigen Themenkomplex. Wenn (politische) Themen keine Themen der Poltik mehr sind, sondern nur noch zum Thema der Sicherheit werden, spricht man von „Securitization”. Diese Versicherheitlichung der Gesellschaft kann man seit vielen Jahren beobachten. Dabei ist vor allem eines klar: Dieser Effekt geht nicht zurück, sondern das Gegenteil tritt ein.

Das alte Bild des Frosch im Topf mit Wasser, der ganz langsam aber stetig erwärmt wird, fällt einmal mehr ein.

Deshalb (und es gäbe viel mehr zu sagen) gibt es am 11.Oktober 2008 einen europaweiten Aktionstag! Im Rahmen dessen findet in Berlin die Demonstration „Freiheit statt Angst” statt. Organisiert vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, mobilisieren die unterschiedlichsten Gruppen, darunter auch Die LINKE.

Als WarmUp für Sachsen, gab es schon am 28.September eine Vordemo in Leipzig.

Alle Infos im Netz: http://www.vorratsdatenspeicherung.de

Kettcar – Sylt oder wie ich lernte den Auensee zu hassen.

Posted on | Juli 31, 2008 | No Comments

Bei Bands kommt es immer auf das dritte Album an. Das stand zumindest mal hier, im Neuroticker. Kettcar haben ihr Drittes nun draußen. „Sylt“ heißt es und die erste Single „Graceland“.

Und dieses Album bereitete mir Kopfzerbrechen. Das ist nicht weiter schlimm und markiert keine Katastrophe, aber es ist erstaunlich. Erstaunlich insofern, dass mir die Band „an sich“ niemals Kopfzerbrechen bereitet hätte. Dieses Album poltert sich zwar im ersten Durchgang und ersten Lied wirklich ziemlich kantig durch den Gehörgang und die Entscheidung zwischen „gewagt“ und „mist“ verläuft eher haarscharf denn klar. Aber das wurde mit den weiteren Liedern ziemlich ausgeglichen.

Nein, die Kopfzerbrechen sind einfacher, aber absurder. Ich stand, passend zur Platte auf meinem dritten Kettcar Konzert. Relativ unentspannt, zu Gast in einer Location – für mich Premiere -, die vielleicht nicht gleich den Vorhof zur Hölle darstellt, aber zumindest die Eingangstür. Und um es kurz zu machen. Sie spielten. Sie spielten sicher gut, machten nichts falsch, was man hätte falsch machen können. Die Akustik stimmte und doch: Da war es! Das pubertäre Abgrenzungssyndrom! Hunderte von Teenagern (ich bin ja selber bald 60) und glücklichen StudentInnen kreischten die Texte mit, übertönten dabei den eigentlichen Gesang mühelos und waren zur Salzsäule erstarrt. Jeder Versuch der sozialen Interaktion (Tanzen?) wurde mit bitteren Blicken zur sofortigen Einstellung gezwungen. Ein wohl etwas zu frenetischer Fan, der sein Bierglas im Überschwang über die Audienz warf, bekam gar ein „Tss tss also sowas“ zu hören. Das Bierglas war leer.

Das neue Album also, was sie an diesem Abend vorstellten, ist indes nicht so übel. Wie schon beim zweiten, haben sie den Ohrwurmcharakter des Erstlings zwar wieder nicht hinbekommen, aber das ist nicht der Maßstab. Aber es ist erstaunlich halbgar. Oder vielmehr etwas zu passiv? Bei vielen Texten habe ich den Eindruck, das ist nicht stimmig oder griffig, bedenkt man die Texte der alten Ausgaben. Es hätte noch eine Messerspitze …zynischer sein können. Aber auch dieser Maßstab hat verloren, ich weiß. Dabei läuft es es eben irgendwie so durch. Und das ist der Knackpunkt, ein Kettcar Album sollte genau das nicht tun, schon gar nicht als Hintergrundrauschen. Es ist nicht schlecht, aber es ist eben auch nicht wirklich gut. Zumindest angenehm, mit: „Und alle sind am Leben, 5 Tage, 40 Stunden, Und definieren sich über das, was man den Tag so macht. Und Hallo, was machst du so, was ist aus dir geworden? Und wie fühlt es sich so an, wenn man es geschafft hat, Vollbeschäftigt, unbefristet, glücklich?“ findet sich endlich mal wieder ein passender Vergleich zu den hohlen Klassentreffen, die beinahe JedeR mal über sich ergehen lassen muss. Bei diesen läuft sowieso ab 24 Uhr 80er Disse und irgendwann „schreien alle „HuHu““.

Und nach der Überschnulze „Balu“, die passend als Zugabe auf besagten Konzert eingeleitet wurde, war zumindest eines klar: Nicht nochmal. Was also traurigerweise nicht an der Band an sich liegt, sondern daran, dass ich kein Interesse habe 90 Minuten 500 brüllende Stimmen zu hören. Wer hat das eigentlich?

Nicht spät danach spielten übrigens The Weakerthans in Dresden. Und waren wieder ganz …erstaunlich (großartig). Und obwohl auch mein Drittes Konzert dieser Band, werd’ ich’s wohl nicht vergessen. Wie ich zur Location des Kettcargigs kam, hab’ ich dagegen schon.

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Posted on | Juli 31, 2008 | No Comments

Das Netz, in dem wir uns heute so selbstverständlich bewegen, stammt zwar nicht aus „Europa“, sondern in seiner Ursprungsform aus einem kleinen gallischen Dorf… Spaß beiseite, ob man damals in der Schweiz (am CERT) vor vielen Jahren ahnte, was man mit diesem „Ding“ WWW geschaffen hatte? Vermutlich nicht, die wenigsten ahnten dies wohl. Heute ist es freilich nicht mehr wegzudenken. Ob zu Hause, auf Arbeit, im Zug oder im Urlaub, eigentlich überall ist es möglich per Internet auf unsere Emails, Daten und Informationen jeder Art zuzugreifen. Ob diese Informationen und Daten dabei mir gehören ist nebensächlich. Das Netz gestaltet sich als schier unendlicher, als Fass ohne Boden, Speicher, in dem jede erdenkliche Information abrufbar ist, scheint’s.

Information definiert sich hierbei nicht über die Charakterisierung einer Neuigkeit, sondern meint jedwedes Etwas was ich online abrufen kann. Dazu gehören selbstverständlich auch Filme beispielsweise. Vor 10 Jahren undenkbar, kann man heute von zu Hause in wenigen Minuten den letzten Blockbuster, das neuste Spiel und die gesammelten Compilations geschätzter MusikerInnen herunterladen. Das ist übrigens illegal, aber eben möglich. Und damit erscheint auch schon der Knackpunkt.

Schienen diese gesamten digitalen Kommunikationskanäle ein rechtsfreier Raum zu sein, galten die jeweiligen Rechte der Länder, in denen die Dienste genutzt wurden, natürlich weiter. Diese einzufordern schien aber aussichtslos. Nebenbei, dem Eindruck, dass jahrelang tatsächlich “niemand“ auch nur den Hauch einer Ahnung hat, was dort vor sich geht, kann man sich nur schwer erwehren.

MP3! Ist, heute nichts neues mehr, existiert seit weit über einem Jahrzehnt und meine erste MP3 wurde mir per Diskette (!) ausgehändigt. Ich fand das Lied doof, wollte aber ein „Stück“ dieser neuen Technik haben. Was daraus wurde, ist die zweite Revolution nach dem Tausch und Überspielen von Kassetten lange davor. Das wissen wir heute, ahnte man damals. Bis auf die, die Geld daran verdienen wollten. An Musik, Software, Filmen und Computerprogrammen. Gefühlt ist die ganze Entwicklung, die so genannte Trägerabkopplung von Medien, an ihnen spurlos vorüber gegangen. Bis die Verkaufsahlen der „echten“ Medien (also CD, DVD etc.) abstürzten und man erkannte: „Ach, so was passiert im Internet?“ Und ab ging die Post.

Jedes Land hat seine eigenen Gesetze zum Thema geistiges Eigentum. Das Urheberrecht meist in Europa oder abgewandelt als Copyright in den USA. Das gibt es eigentlich überall auf der Welt und dort wo alles erlaubt ist, ist das eben die Form des Rechts. Russland beispielsweise wird seit Jahren belagert und klargemacht, in die WTO, die Welthandelsorganisation dürfen sie nur, wenn sie die populären MP3 Kaufplattformen, in Russland gehostet, abschalten. Denn dort darf und kann man ganze Alben für einen Euro erwerben, sowie man im Laden dort CDs mit allen Alben der jeweiligen Künstler für 3 € erwerben kann. Mit Brief und Siegel und Lizenzsticker. In Deutschland dürften diese nicht verkauft werden. Das Netz? Kennt diese Grenzen nicht.
Also ruft man seit Jahr und Tag nach einem Copyright, welches international gültig ist. In jedem Land der Erde sollen dieselben (selbstverständlich restriktiven) Rechte gelten. Da das in weiter Ferne liegt, versucht man es erstmal kleiner. Ein europäisches Copyright. Zwei große Urheberrechtsnovellen musste der Bundestag in den letzten Jahren absegnen. Für den Nutzer jeweils mit weiteren Einschränkungen versehen und den Anbietern immer noch nicht restriktiv genug. Und obwohl an maßgeblicher Stelle, dem europäischen Parlament, der Lobbyismus in dieser Sache ungebrochen stark ist, wurde z. B. Anfang Juli ein Telekommunikationspaket im zuständigen Ausschuss abgewatscht. Das wäre nebenbei mal gesagt hart gewesen. So sah es vor, dass Internetprovider (=der Internetanbieter) aufs Engste mit den jeweiligen Nationalstaaten zusammenarbeiten sollen, über Grenzen hinweg und Benutzer, die auffällig werden, sollte das Netz schlicht abgestellt werden. Benutzte Software sollte verifiziert und damit die Chance, Open Source Programme als verdächtig abzustempeln, offen gelassen werden. Kommt so aber nicht, wenngleich etwas ähnlich perfides, schon seit Anfang des Jahres von europäischer Richtlinie in nationales Recht ratifiziert wurde.

Die Vorratsdatenspeicherung ist der wirklich große Wurf, den Europa in dieser Sphäre vorgebracht wird. Sie besagt, das mindestens sechs Monate, alle Informationen darüber, wer wann wo mit wem telefoniert, gesmst, gemailt hat, zentral in einer Datenbank gespeichert wird. Wenn dann Herr Müller aus Oberurselammergau mal wieder den Reichstag sprengen will, kann mensch nachschauen, wem er das wann wo angekündigt hat. Zugegeben, Polemik ja, aber das ist der Deal.
Auf diese Daten die europaweit gesammelt werden, sollen nur per schwerer Straftat des Protagonisten zugegriffen werden dürfen. Und das ist eine Einschränkung des Bundesverfassungsgerichtes! In anderen Ländern wäre zum Beispiel der neue Harry Potter Grund genug, nachzuschauen, wann das wer herunterladen hat.

Was das BVG da entschieden hat, klingt im ersten Moment nett, nämlich für das leidige Thema Filesharing etc., bestätigt aber eine andere angewendete Strategie. Wer hierzulande unter $129a fällt, also eine „kriminelle Vereinigung“ gebildet oder so eine gesehen hat, darf mit weit reichenden Maßnahmen rechnen. Vogelfrei ist vielleicht nicht ganz das feine Wort, doch die ermittelnden Beamten bekommen einen ganzen Strauß an Möglichkeiten, die verdächtige Person zu observieren und festzuhalten. Was am Ende rauskommt, ist meistens nichtig und rechtfertigt die Mittel kaum.
Es zeigt aber die Absurdität des Ganzen. Wer unter Terrorverdacht fällt, weil das Wort „Gentrifizierung“ benutzt wurde, muss sich nicht wundern, wenn die Öffnung der Vorratsdaten eben bei jedem Windhauch möglich ist. Denn was schwerkriminell und was Terror ist, wird dabei ja nicht definiert. Soll es auch gar nicht.

Unser Reisepass hat heute ein Passfoto, welches biometrische Kriterien erfüllt und schon heute Fingerabdrücke auf dem integrierten RFID Chip speichern kann. Warum? Damit der Reisepass fälschungssicher ist. Klar, die Fälschung von Reisepässen war auch davor kein Thema und eher eine handwerkliche Meisterleistung, aber so steht an den Grenzen eine Datenbank mehr, mit den Personendaten aller Inhaber zur Verfügung. Trau schau wem!

Nebenbei zum Thema, das leuchtende Vorbild London, in Sachen Videoüberwachung merkt so langsam, dass dort Millionen von Pfund Sterling verbaut sind, die keinerlei präventiven (kriminalistischen) Effekt bringen. Das hindert aber andere Städte in Europa nicht, auf diese Orwellsche Meisterleistung immer wieder zurückzugreifen. Neustes Wunderwerk im digitalen Sinne ist da die Gesichtserkennung.

Was also passiert, ist dass mittels vorhandener Infrastruktur, der technischen Möglichkeiten von heute, ein lückenloses Netz geschaffen werden soll, was wirklich alles speichert. Internationale Vereinbarungen zur Patentgesetzgebung, Datenbankvernetzungen und Austausch sichern auch heute die Zurückhaltung von Errungenschaften und Wissen, machen Informationen zur Ware und Daten zur Straftat.

Der Frosch im Wasser, welches langsam zum Kochen gebracht wird, an ihn sei einmal mehr erinnert. Wir werden nicht von heute auf morgen in einem Land und einem Nationengeflecht leben, in denen uns fliegende Augen beim Leben begleiten. Wir werden aber perspektivisch nicht mehr kontrollieren können (und das gilt eigentlich schon heute), wo unsere Daten gespeichert sind und ganze Informationsmüllhalden über unsere digitalen Spuren entstehen. Es ist höchste Zeit, aus dem Wasser zu springen. Auch wenn manche sagen, dafür sei es schon zu spät.

Turbostaat – Haubentaucherwelpen

Posted on | Juni 5, 2008 | No Comments

Video: gefällt!

Leipzig in Trümmern

Posted on | Juni 5, 2008 | No Comments

EA80 Karte

The Weakerthans – Reunion Tour (21. September 2007, Burning Heart)

Posted on | Dezember 31, 2007 | No Comments

Vielleicht ist dieses Album als Lebenszeichen der Kanadier zu verstehen. Es mag immer etwas schwer sein, Worte zu finden, für – wie man selber findet – die wunderbarste (fuck „beste“) Band da draußen im Kosmos.

Weil man so schwer argumentieren kann. Moment, mit Musik argumentieren, was is’ los? Ok, dann eben beschreiben. Ich meine, – Hey, hör dir mal die Platte an, großartiger Folk „Hast du Folk gesagt? Urrrks“ – Ja, Folk verdammt. Wenn die Gitarre mit Bottleneck und verhalten verzerrten Effekten bearbeitet wird. „Gefällt mir nicht.“ – Warum? „Ist so Country.“ – Und textlich?
„Naja, is’ ja Englisch.“

“They’re all waiting patiently
Touch my name tag and say ‘Hello’
I’m too tired to smile today
Squeak the chair once, take a deep breath
Straighten my tie and say, ‘What’s the damage.’”

Da liegt auch schon der Hund begraben. Diese Band, vornehmlich dieser Sänger (weil Texteschreiber) John K. Samson, der 1997 bei Propaghandi aufhörte, schreibt jedes mal aufs Neue die besten Texte zu Papier. Und das so, dass man sie auch ohne Musik lesen könnte. Funktioniert. Vor allem aber fragt man sich beim trockenen Lesen, wie das vertont klingen mag. Erwähnte ich schon großartig? Sicher. Es sind meist Geschichten, die da erzählt werden. Fantasievolle, wie die der Katze “Virtute”, die nun in zwei Liedern vorkommt oder über reale Personen. Und über die kleinen, aufreibenden und zermürbenden Dinge, mit denen man sich rumplagen muss.
Samson verließ Propaghandi, weil ihm damals der Weg zum platten Funpunk seiner Band missfiel. Leiser wollte er werden und das Politische wieder hervorheben. Das passiert nun nicht in Form von Agitation oder Manifesten, sondern eben – leiser. Wenngleich Songtitel wie “Realtive Surplus-Value” schon dicht darauf hinwirken.

Die “Reunion Tour” ist am Ende nicht das Feuerwerk, was für mich mit den drei Vorgängeralben abgebrannt wurde. Aber es ist ein Lebenszeichen, welches ich mit einem lauten Quieken begrüßte. Wer zu sowas bereit ist und die Muße hat oder sowieso in Englisch träumt, sei dieses Album und sowieso die ganze Band sehr nah gelegt. Und ihre wenigen Konzerte die sie in Europa geben, sie zu verpassen wäre ein Faux-Pas.

“All you won’t show
the boxes you brought here and never unpacked
are still patiently waiting to go
So put on those clothes you never grew into
and smile like you mean it for once.”

Summer of Grrrl

Posted on | September 2, 2007 | No Comments

Tammy Rae Carland and Sleater-Kinney
Vivienne Dick and Lorraine O’Grady
Gayatri Spivak and Angela Davis
Laurie Weeks and Dorothy Allison

Stop, don’t you stop
Please don’t stop
We won’t stop

[...]

Le Tigre – Hot Topic

Summer of Grrrl

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„Die Punkbewegung lehnt Sexismus ab. Deshalb ist sie ständig damit beschäftigt, Leute aufzuklären, die als Neulinge mit all ihren festgefahrenen Stereotypen in die Szene kommen.“

So beginnt der Abschnitt >Eine Frage des Geschlechts<, im nun schon viele Jahre zählenden Buch „The Philosophy of Punk“ von Craig O’Hara. Keine Frage, begreift man Punkrock oder die Punkbewegung, als ein Ding, welches mit allen Konventionen brechen, bürgerliche Werte über Bord schmeißen und die „Do it yourself“ Phrase ausüben will. So scheint es ein selbstverständliches, dass Sexismus im Punk nicht viel zu suchen hat. Zumindest so lange, wie man dieses Etwas als politisch begreift.

Die Anfänge des Punks in Deutschland waren dies explizit nicht. Es hat sich zwar später, spätestens in den 1980ern dorthin entwickelt, aber die Auswüchse der Bewegung waren in den jeweiligen Ländern arg unterschiedlich. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil die – nennen wir sie – Realitäten und Zustände arg voneinander abweichten. Ganz lapidar: Punk in der DDR konnte mit dem „No Future“ der Sex Pistols aus England nicht viel anfangen, ihre Zukunft war ja doppelt und dreifach bis zum Grab beschrieben. Aber trotz dieses Wissens, stolperte ich mehrere Male über diesen Satz von O’Hara, der nun schon 15 Jahre alt ist und getippt wurde, als in Amerika gerade der Sommer der Riot Grrrls begann. Letzteres nicht aus Spaß an der Freude oder unmotiviert, ganz im Gegenteil. Natürlich wäre die Umkehrung, „Die Punkbewegung begrüßt Sexismus ausdrücklich.“ ebenso reiner Humbug, aber warum muss die Wahrheit denn immer in der Mitte liegen?

Punkrock als Musikstil bedient sich natürlich, augenscheinlich und musikalisch, dem zweiten Teil der Genrebeschreibung. Des Rocks. Das dieser – all seine Facetten mal subsumierend – alles andere war, als eine emanzipatorische, mit Normen und vorgefertigten Attitüden brechende „Bewegung“ ist sicher nicht die provokanteste These des Jahrzehnts. Schauen wir uns dann die Bands seit 1975 bis Anfang der 1990er an, die sich selbst als Punk betitelten oder spätestens vom NME oder Spin Magazine wurden, sehen wir hunderte Bands, männlich dominiert. Natürlich gab es Bands – wie natürlich Crass aus England – mit ihrem explizit politischen und hierbei stark antisexistischen Punk, bei dem die Musik immer dem Text oder der Aktion folgte – die diese Reihe unterbrechen würden, aber sie waren oder sind – und dann kommt dieses Wort – eine Ausnahme.

Während Punkrock im eigentlichen Sinne – mit Ursprung in Amerika, Ausbruch in England – nur wenige Jahre währte, bildeten sich aus ihm heraus andere Musikrichtungen. In England „New Wave“ – auch wenn sich hier keine klare Einordnung machen lässt – mit Joy Division und The Human League als Beispiel. In den USA war es Hardcore, der sich von der Vereinnahmung der Szene, durch die Industrie und der damit verbundenen Kommerzialisierung abgrenzen wollten. Stichwort Black Flag und Minor Threat.

Eine der Hochburgen des US-Hardcore war hierbei Washington DC. Die Hauptstadt der Staaten, mit ihren gerade mal ~650.000 Einwohnern, wurde zum Melting Pot der politischen Hardcore Szene. Bands wie Fugazi belebten (Post)Hardcore immer wieder neu, widerstrebten den Anwerbungsversuchen der Major Labels und mit Dischord Records befand sich eines der wichtigsten (man muss es ja so sagen) Punk/Hardcore Labels in der Stadt. Trotzdem, Hardcore hatte seinen Namen nicht ohne Grund. Die Musik war um einiges härter, als der bisweilen monoton stampfende klassische Punkrock, die Bühnenshows martialischer und damit verbunden auch das Auftreten des Publikums. In den späten 1980ern bis in die Anfänge der 1990er waren die USA auch von einer Gewaltwelle überschwemmt. 1991 zählte man etwa 483 Morde in Washington DC. Dies reichte bis in die HC Szene hinein, in der zeitgleich Beteiligte mit Vergewaltigungsvorwürfen aktiv waren. Ein anderer „Tipping Point“ war das Verfahren zum Schwangerschaftsabbruch, das am Supreme Court in DC lief und das Roe vs. Wade Urteil nichtig machen sollte.

So we play the roles that they assigned us
She does nothing to conceal it
He touches her ’cause he wants to feel it
We blame her for being there

Fugazi – Suggestion

Diese ganzen Teile schienen sich zu einem explosiven Gemisch zu vereinen und schließlich gab es in Washington DC, im Mai 1991 starke Unruhen. Ausgelöst durch den Mord an einem Lateinamerikaner durch eine Polizistin und der Entscheidung des besagten Supreme Court, den staatlichen Kliniken Abtreibungsberatungen zu verbieten, war für manche die Revolution angebrochen Andere kritisierten die Riots mit der Polizei stark. Einer der Begriffe der hier bei fiel, war „Girl-Riot“. Eine der Bands, die nur einen Monat nach den Unruhen, ihren ersten Auftritt hatten, war Bikini Kill. Sie kamen aus Olympia und waren am Ende ihrer Tour. Sängerin Kathleen Hanna schrie „Revolution Girl Style Now!“ von der Bühne. Es war der vielleicht erste Auftritt einer (Fast)All Girl Band, die sich klar und explizit antisexistischen und feministischen Themen widmete.

Eine andere Band dieser Richtung war Bratmobile, deren Gründerinnen das Zine „Girl Germs“ und damit den Weg bereiteten für das, was dann als Riot Grrrl fortgesetzt wurde. Riot Grrrl war dabei ebenfalls der Name eines Zine, als Anschluss an Girl Germs. Sollte es eigentlich Girl Riot hießen, einigte man sich auf Riot Grrrl, wobei die drei Rs als Knurren zu verstehen sind. Der Titel dieses Zine war dann letztendlich auch der Titel der Bewegung, die in diesem Sommer ihren Anfang nahm.

Riot Grrrl, man könnte sagen mit dem Untertitel: „Revolution Girl Style Now!“.

Ein nettes Trivia dabei ist, dass Anfang der 1990er Nirvana noch stark zum gegenseitigen Einfluss der Bewegung gehörten, bevor mit Nevermind und Dank MTV die Band hochgeschossen wurde.

Der Titel des wohl bekanntesten Hits „Smells like a teen spirit“ geht zurück, auf ein Tag, welches Kathleen Hannah an eine Hauswand sprühte: „Kurt smells like teen spirit.“ Womit die Zeilen: „Our little group has always been, and always will until the end [...]“ durchaus in einem anderen Licht erscheinen.

Die entstehenden und spielenden Riot Grrrls Bands waren durchaus eng mit der Washington DC Hardcoreszene verknüpft und hierbei stark mit Fugazi. Zahlreiche gemeinsame Auftritte fanden im Sommer 1991 statt, der tatsächlich als Revolution Sommer bezeichnet wurde. Proteste gegen den Supreme Court waren oft das Thema, aber auch allgemein die Situation der freien Kliniken in den USA.

Fugazis Song Suggestion setzte sich mit dem Bild und der Reduktion von Frauen als Objekt der Männerfantasien und der Frage wann Gewalt anfängt. Live entwickelte der Song ein intensives dynamisches Eigenleben.

Es sollte ein ganzes Jahr dauern, bis sich Riot Grrrl als Bewegung durch Amerika gezogen hatte. Nicht zuletzt durch einen Artikel in der LA Weekly, in dem Hanna der Schreiberin sagte, dass es Riot Grrrls im ganzen Land gäbe und eine echt große Sache ist. Dies stimmte allerdings nur in ihrem Kopf, wie sie selber sagte. Aber die Pointe folgte postwendend, im Sommer 1992, nicht weit nach dem Erscheinen der Artikel, bildeten sich tatsächlich in verschiedensten Orten Riot Grrrl Gruppen.

Der Kampf gegen Abtreibungsverbote und Vergewaltigungen – auch innerhalb der Szene war natürlich nur das eine. Die andere Seite war das Aufbrechen von männlich dominierten Bühnenshows und Verhalten im Punk/Hardcore. Zumal weibliche Bands, bis heute meist in der Mainstreampresse (jetzt Feuilleton) bejubelt werden und den Punkzines/Mailordern nur die Zuschreibung: „Great female Vocals“ bekommen.

Ein anderer Punkt war der (aggressive) Tanzstil vieler HC Anhänger, was sich in praktischen Verhaltensweisen niederschlug. Mädchen bildeten innerhalb des Moshpits abgeschlossene Kreise, die nur für Mädchen (als Übersetzung von Girls gebraucht) offen waren. Das führte zwar wiederum zu Angriffen von Tänzern außerhalb des Kreises, zeigte aber auch die Selbstverständlichkeit die hierbei an den Tag gelegt wurde.

Auch die Bühnenshows allein führten zu Effekten und wurden von manchen Personen als das „intensivste“ beschrieben, was sie seit langen in der stagnierenden Punkszene gesehen und gehört haben. Wenngleich die Musik in den Anfängen auf altbewährte und bekannte Muster setzte, war die Textsetzung in der Form bis dato unbekannt. Gleichzeitig stellten Bands wie Bikini Kill fest, dass Form und Inhalt für sie nicht zu trennen ist oder zumindest ein Problem darstellt.

Sowohl Bühnenshow, Texte als auch die Fanzines waren selbstredend bewusst provokant, von außen oftmals als aggressiv wahrgenommen. Kritisiert wurde dabei, dass Männer klar abgelehnt oder bekämpft würden und andere All Girl Bands begannen zu betonen, dass sie nichts mit der Riot Grrrl Bewegung zu tun haben. Freilich erscheint diese Kritik etwas verkürzt, war doch gerade in DC eine feste, ausgeprägte politische „Zusammenarbeit“ von Grrrl Bands und klassischen (Post)Hardcore Bands gediehen, die sicherlich über das Feld der Politik hinausgingen und keinen Seperatismus begangen.

Die meisten Bands des Sommers 1991 gibt es heute nicht mehr. Bikini Kill etwa haben sich vor 9 Jahren aufgelöst, Bratmobile schon 1994. Letztere gingen 1999 aber wieder auf Tour mit Sleater-Kinney, die nicht mehr direkt aus der Riot Grrrl Bewegung stammen, aber von ihr beeinflusst sind.

Die Ladyfeste der Jetztzeit sind sozusagen die direkten „Nachfahren“ der Riot Grrrl Bewegung. Auch hier fand das erste wieder in Olympia (Washington), dem Ursprungsort von Bikini Kill, im Jahr 2000 statt. Es sind selbstorganisierte Festivals, die den (nachwievor) in der Minderheit oder auch ignorierten weiblichen Künstlerinnen eine Plattform geben sollen. An den meist mehrere Tage gehenden Veranstaltungen, finden zudem auch Workshops statt, die eben die Ideen des „Revolution Girl Style Now!“ Sommers aufgreifen und fortsetzen oder neu besetzen. Zentraler Bestandteil ist auch hierbei, die Infragestellung der normierten Vorstellung der Zweigeschlechtlichkeit der Gesellschaft. Seit 2000, haben sich diese Feste auch stetig weiterentwickelt und finden mittlerweile quasi weltweit statt. In Leipzig zum Beispiel, fand es Ende August zum dritten Mal statt.

Zum Schluss darf man sicherlich konstatieren, dass die Verhältnisse heute – wie beschrieben – keine anderen sind und die originäre Punkszene – auch und gerade in Deutschland – sich keinen Stück bewegt hat. Bis auf einige Bands, – und hier schließt sich der Kreis – die Ausnahmen darstellen und wir wieder von vorne anfangen würden.

Tu nie das, was die Welt von dir will,
sei streitbar und individuell,
Sei nicht immer nur dagegen,
sei auch mal dafür, wenn es sich lohnt.

Bernadette La Hengst – Nie mehr vor Mittag

Gesetz zur besseren Durchsetzung geistigen Eigentums

Posted on | März 31, 2007 | No Comments

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung - www.vorratsdatenspeicherung.de

Der Bundestag hat heute kurz vor 13 Uhr ein Gesetz mit deutlicher Mehrheit durch die Koalition verabschiedetet, mit dem „geistiges Eigentum“ besser „geschützt“ werden solle. De facto sollen Rechteinhaber nun die Möglichkeit bekommen, ohne Umwege direkt bei Providern Auskunft zu erhalten. Auskunft darüber, wer gewerblich das Urheberrecht gebrochen hat. Gewerblich heißt hier, dass ich einen Inhalt mit Kostenersparnis – und sei es 1 ct – erworben habe. Zum Beispiel eine mp3 über eine Tauschbörse oder einen Kinofilm. Oder vieles andere. Falls beim Provider aber keine Daten vorliegen, können sie auch die Vorratsdaten einsehen, dann aber mit richterlichen Beschluss. Soweit, so klar, so schlecht. Doch was heißt das? Wenden wir das Gesetz doch einmal so an, wie es jetzt gedacht wäre.

Herr Müller aus Karlsruhe, hat über eMule ein Album der Band „X-Ray“ heruntergeladen. Das Label der Band „Psychobeats Records“, bemerkt über eine speziell’ modifizierte Version des eMule Clients, dass Herr Müller eben dies tat. Schließlich wird ein Download automatisch wieder zum Upload angeboten, das ist das Konzept einer Tauschbörse. Psychobeats Records hat also nach dem Album ihrer Band gesucht und gefunden und die IP-Adresse von Herrn Müller dabei ausfindig gemacht. Der Provider von Herrn Müller „Bitbrain“ bekommt eine Anfrage vom Label, da die IP im Adressbereich ihres Dienstes liegt. Das Label fragt an, wie der Name und die Adresse ihres Kunden sei, der am soundsovielten um soundsoviel Uhr mit folgender IP online war.

Herr Müller hat bei Bitbrain einen Internetzugang, in Form einer Flatrate gebucht.
Da für Flatrates es unerheblich ist, wann sich wie lange eingewählt wurde, erhebt sein Provider keinerlei Verbindungsdaten, beziehungsweise löscht diese nach Beendung der Verbindung. Er hat auch gar keine wirklich andere Wahl, rechtlich gesehen. Die Anfrage des Labels läuft also ins Leere, die Verbindungsdaten sind längst gelöscht.

Für diesen Fall hat Psychobeat Records allerdings die Möglichkeit auf die Vorratsdaten, die seitens der Vorratsdatenspeicherung erhoben wurden, zuzugreifen. Das klappt allerdings nur per richterlichen Beschluss.

Nun hat aber das Bundesverfassungsgericht per Eilentscheid, den Zugriff auf die Vorratsdaten nur bei schweren Straftaten erlaubt. Mindere Delikte, und dazu gehört Filesharing erlauben eben keinen Zugriff.

Der Richter, der also die Anfrage des Labels bearbeitet, würde also einerseits sagen können: „Ja, per Gesetz sind sie dazu autorisiert. Nur steht dieser Auskunft im Moment eine Entscheidung des BverfG entgegen, womit ich ihnen die Auskunft wiederum verwehren muss.“

Nun, das ist also der Stand der Dinge. Klar, die Geschichte hat 2 Haken. Der erste ist, dass Provider zur Vorratsdatenspeicherung erst ab 1.1.2009 verpflichtet sind. Herr Müllers Provider wird aller Voraussicht nach, noch gar keine erhoben haben. Und Punkt 2 ist, dass die Eilentscheidung des BverfG erstmal nur für 6 Monate gilt.

Ich für meinen Teil, habe heute nach der Verabschiedung des Gesetzes, meinen Provider gefragt, wie und ob er Verbindungsdaten erhebt. Bei Flatrates, werden wie erwartet keine Daten gespeichert. Ebenso bevorratet er erst ab nächstem Jahr. Und selbst wenn heute schon, für 6 Monate wäre an diese kein Rankommen.

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